Abschlussbericht (Zusammenfassung) zum Projekt B 1 des
Grenzüberschreitenden Instituts zur rentablen umweltgerechten Landbewirtschaftung
(ITADA)
Erhebung der Grundlagen für die bessere Vermarktung
von nach
besonderen Richtlinien erzeugten landwirtschaftlichen Produkten
aus dem Oberrheingebiet
Projektleiter:
K. Rennenkampff (FiBL) -CH-
Projektbearbeitung: T.
Richter (IfUL) -D- O. , Schmid (FiBL) -CH-
Weitere Beteiligte: Prof.
Dr. A. Henze (Universität Hohenheim) -D-
Laufzeit: 1996-1999
Inhaltsübersicht
1 EINLEITUNG
1.1. PROBLEMSTELLUNG
1.1 ZIELSETZUNG
1.2 VORGEHENSWEISE
2 METHODEN
2.1 AUFBAU EINER REGIONALEN MARKTANALYSE
2.2 METHODEN DER MARKTFORSCHUNG
3 DIE LANDWIRTSCHAFT UND IHR UMFELD IN DER REGIO SÜDLICHER OBERRHEIN
3.1 RÄUMLICHE ABGRENZUNG UND KURZBESCHREIBUNG DER REGIO
3.2 UMFELDANALYSE DER LANDWIRTSCHAFT IN DER REGIO
3.3 ENTWICKLUNG DER AGRARSTRUKTUR IN DER REGIO
4 DIE VERBRAUCHER IN DER REGIO
4.1 ENDVERBRAUCHERANALYSE
4.2 GROSSVERBRAUCHERANALYSE
5 AGRARMÄRKTE DER REGIO
5.1 GEMÜSE- UND OBSTMARKT IN DER REGIO
5.2 GETREIDEMARKT IN DER REGIO
5.3 MILCHMARKT IN DER REGIO
5.4 FLEISCHMARKT IN DER REGIO
5.5 MARKT FÜR PRODUKTE AUS DEM BIOLOGISCHEN/ÖKOLOGISCHEN LANDBAU
5.6 MARKT FÜR PRODUKTE AUS DER INTEGRIERTEN PRODUKTION
5.7 ZUSAMMENFASSUNG DER MARKTANALYSE
6 MASSNAHMENEMPFEHLUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG DES REGIO-MARKTES
6.1 MARKTÜBERGREIFENDE MASSNAHMEN
6.2 GEMÜSE UND OBST
6.3 GETREIDEMARKT
6.4 MILCHMARKT
6.5 FLEISCHMARKT
6.6 BIOMARKT
6.7 IP-MARKT
7 ZUSAMMENFASSUNG
7.1 EINLEITUNG
7.2 ZIELE
7.3 METHODIK
7.4 ERGEBNISSE
7.5 SCHLUSSFOLGERUNG
8 LITERATURVERZEICHNIS
9 VERZEICHNIS DER VERWENDETEN ABKÜRZUNGEN
10 VERZEICHNIS DER DATENQUELLEN
11 ANLAGEN
(Umfang des Gesamtberichts = 339 Seiten)
1 Zusammenfassung
1.1 Einleitung
Die Landwirtschaft in den Regionen Elsass, Südbaden und Nordwestschweiz
steht vor der Anpassung ihrer agrarpolitischen Systeme an eine zunehmende
Angleichung an Weltmarktbedingungen. Aufgrund der agrarstrukturellen Voraussetzungen
der landwirtschaftlichen Betriebe in den Regionen wird ein Anpassungsprozess
an die Produktionsbedingungen des Weltmarktes nur langfristig und auch
nur bedingt möglich sein. Eine Besinnung auf die Verbraucher vor
der Haustür unter Berücksichtung der Produktion auf die Verbraucherbedürfnisse
nach umweltorientierten Produktionsweisen und überschaubaren Vermarktungswegen
scheint eine erfolgreiche Strategie, um eine stärkere Unabhängigkeit
von den Kräften des Weltmarktes zu erreichen.
Das grenzübergreifende Untersuchungsgebiet am südlichen Oberrhein
wird durch die nordwestschweizerischen Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft
sowie Teile der Kantone Aargau und Solothurn (REGIO Nordwestschweiz),
das Elsass (REGIO Elsass) sowie die südbadischen Landkreise Lörrach,
Waldshut, Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und Ortenau
(REGIO Südbaden) abgegrenzt. Das Untersuchungsgebiet besitzt mit
den Städten Basel, Mulhouse, Colmar, Freiburg, Lörrach bedeutende
urbane Zentren, die gleichzeitig wichtige heimische Absatzmärkte
für die regionale Landwirtschaft darstellen. Eine stärkere Erschliessung
und Verteidigung der heimischen Märkte kann langfristig nur durch
die enge Verzahnung zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung, Verarbeitung,
Handel und Verbrauch in einer Region erreicht werden. Dies erfordert vom
landwirtschaftlichen Unternehmen, von Erzeugerorganisationen und von Verbänden
besondere Fähigkeiten, langfristige Entwicklungen der Marktumwelt
rechtzeitig zu erkennen, richtig zu interpretieren und durch Marketingmassnahmen
in individuelle Wettbewerbsvorteile umzusetzen.
1.2 Ziele
Ziel der Untersuchung ist die Erhebung der Grundlagen für die bessere
Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten, die ökologisch oder
integriert und somit nach besonderen umweltorientierten Produktionsrichtlinien
erzeugt werden. Dazu wird der Ist-Zustandes der bisherigen Entwicklung
der Produktions- und Vermarktungsstruktur sowie des Umfeldes von Produktion
und Vermarktung in den drei Teilregionen des Untersuchungsgebietes erfasst
und gegenüberstellend bewertet. Daraus werden unter Berücksichtigung
der künftig zu erwartenden Einflüsse von Politik und Nachfrage,
Perspektiven für eine Verbesserung der regionalen sowie der grenzüberschreitenden
Vermarktung umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel abgeleitet.
1.3 Methodik Folgende Methoden wurden in der Projektarbeit
eingesetzt:
· Internationale Literaturrecherchen
· Mündliche und schriftliche Erhebung von Primärdaten
anhand standardisierter Fragebögen (Konsumentenbefragung,
Grossküchenbefragung)
· Deskriptive und multivariate Analysen der Primärdaten wie
Korrelations-, Faktoren- und Clusteranalyse
· Deskriptive Auswertung von Sekundärdaten (Struktur-, Angebots-
und Nachfrageanalyse)
· Einzelexpertenbefragungen auf den Ebenen Landwirtschaft, Ernährungsindustrie
und -gewerbe sowie Lebensmitteleinzelhandel.
1.4 Ergebnisse
1.4.1 Künftige Entwicklungsszenarien im Umfeld
der Landwirtschaft
Das physische Umfeld der Landwirtschaft im Oberrheingebiet bietet insbesondere
in der Rheinebene den landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit,
ihr Produktsortiment auf die Bedürfnisse der KonsumentInnen auszurichten.
Durch die gute infrastrukturelle Erschliessung des Gebietes, die regelmässige
Verteilung der urbanen Zentren und die noch weitgehend vorhandenen regionalen
Verarbeitungskapazitäten im Raum bestehen gute Möglichkeiten
für die Versorgung mit regional erzeugten Nahrungsmitteln. Die ökonomischen
und naturräumlichen Rahmendaten sind im Oberrheingebiet insgesamt
positiv, wenn auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in den Mittelgebirgslagen
Nachteile gegenüber intensiv genutzten und stark arrondierten Standorten
aufweist.
Die Bevölkerung im Oberrheingebiet wird nach Prognosen der Statistischen
Landesämter weiter zunehmen, was zu einer Steigerung des Nahrungsmittelbedarfs
führt. Da der Anteil von älteren, vermögenden und vorrangig
qualitätsorientierten Käufern in diesem Prozess ebenfalls zunehmen
wird, gibt es Grund zur Annahme, dass das Potential für ökologisch
und für integriert erzeugte Nahrungsmitteln in allen drei Teilgebieten
zunehmen wird.
Die europäische Agrarpolitik wird unter den zukünftig noch engeren
Budgets weiter vom bisherigen Niveau der Erzeugerpreisstützungen
abweichen und diese verstärkt an zu erbringende Zusatzleistungen
knüpfen. In der Schweiz ist dies durch die "Agrarpolitik 2002"
bereits erfolgt, bei der für die Gewährung von Direktzahlungen
ein ökologischer Leistungsnachweis verlangt wird und damit die Integrierte
Produktion bereits zum Mindeststandard der Produktion wurde.
Im weltweiten Massstab sind immer engere Verflechtungen zwischen internationalen
Unternehmen zu beobachten, begleitet durch eine schrittweise Liberalisierung
des Handels und einer Standardisierung der Produktionsauflagen. Dieser
Prozess steht erst am Anfang. Er wird noch deutlich an Intensität
gewinnen und Druck auf die Produktionskosten und Marketingleistungen der
Unternehmen ausüben. Die Landwirtschaft am Südlichen Oberrhein
wird in diesem globalen Prozess lernen, immer flexibler und rationaler
auf die sich verändernden Rahmendaten einzustellen und das Erkennen
und Entwickeln von Nischenmärkten noch stärker als Chance zu
begreifen.
1.4.2 Marktübergreifende
Massnahmeempfehlungen
1.4.2.1 Massnahmen im Bereich der öffentlichen
Hand
Mit der Einrichtung dezentraler Koordinierungs- und Beratungsstellen und
der Vernetzung von Kommunen, Verwaltungseinrichtungen, Kirchen, Fremdenverkehr,
Verbänden und Akteuren zu regionalen Arbeitskreisen mit der Zielsetzung,
regionale Produktions- und Vermarktungsstrukturen in einem breiten gesellschaftlichem
Umfeld zu initiieren und zu verankern, werden Grundlagen für einen
regionalen Markt geschaffen.
Mit einer gezielten Förderung von Vermarktungsinitiativen, insbesondere
in der Startphase, kann die öffentliche Hand zusätzlich die
Etablierung von regionalen Märkten stimulieren.
Die Erhöhung der Effizienz staatlicher Kontrollmassnahmen, z.B. bei
der Kennzeichnung der Lebensmittel und deren Kommunikation, führt
zu einem wachsenden KonsumentInnenvertrauen gegenüber der heimischen
Landwirtschaft.
Für verstärkte grenzüberschreitende Aktivitäten gilt
es, einen weiteren Abbau der tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse
zumindest im grenznahen Raum zu unterstützen. Im weiteren wären
auch Bestrebungen wünschenswert, die externen Kosten von langen Transportwegen
zu internalisieren, wie dies in der Schweiz z.B. über die Schwerverkehrsabgabe
bei Speditionen erfolgt. Dies könnte regionale Kreisläufe neu
beleben.
1.4.2.2 Massnahmen im Bereich
der Marktakteure Kommunikationspolitik
In der Kommunikationspolitik gilt es, die individuelle Betroffenheit durch
permanentes und zielgruppenorientiertes Kommunizieren des Zusatznutzens
umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel zu erreichen. Dies
kann durch die Durchführung grenzüberschreitender REGIO-Events
(Erlebnistage), der Suche nach trinationalen Identifikationsfiguren und
die persönliche Kommunikation der Landwirte für ihre Produkte
in den Verkaufsstellen erreicht werden. Dabei ist der grenzüberschreitende
REGIO-Gedanke in den Mittelpunkt der Kommunikation zu stellen, um eine
stärkere Identifikation mit der Region zu erreichen. Weiterhin sollte
die Verkaufsförderung von Landwirten und Landfrauen in Super- und
Verbrauchermärkten zu einer festen Institution ausgebaut werden,
da diese Form der Kommunikation wie kein anderes Instrument, eine Authentizität
von Produkt und regionaler Landwirtschaft beim Verbraucher erreicht. Preis- und Sortimentspolitik
In der Preis- und Sortimentspolitik gilt es insbesondere eine quantitative
Straffung von Warenzeichenprogrammen zu Herkunft und Produktionsweise
zu erreichen. Dazu gehört auch die Harmonisierung von Produktions-
und Vermarktungsrichtlinien zwischen den drei Teilregionen (insbesondere
für die Integrierte Produktion). Durch die internationalen Handelsliberalisierungen
werden sich die Preise zwischen den Teilregionen zukünftig stärker
angleichen und das grenzüberschreitende Einkaufen ausschliesslich
aufgrund von Preisvorteilen der anderen Region reduzieren. Eine Profilierung
über Qualität, Service und Angebotsvielfalt wird für ein
grenzüberschreitendes Marketing daher entscheidend für seinen
Erfolg. Distributionspolitik
Um die Etablierung von REGIO-Märkten zu stützen, sind sektorübergreifend
und grenzüberschreitend informelle Kontakte zwischen den Marktpartnern
nötig. Diese Kontakte führen mittelfristig zu einem besseren
Verständnis der Partner, dem Entdecken gemeinsamer Interessen und
Ziele, dem Abbau von Vorurteilen und dem Erkennen von Synergien.
Grundlegende Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit den immer
grösseren Betriebseinheiten der Verarbeiter und des Einzelhandels
ist eine Angebotsbündelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Je attraktiver
das landwirtschaftliche Angebot der Region ist, z.B. durch die Übernahme
von logistischen Aufgaben oder freiwillige Rückverfolgbarkeitssysteme
der Waren durch die Erzeugerseite, um so wettbewerbsfähiger ist die
regionale Landwirtschaft gegenüber ausländischen Mitbewerbern.
1.4.3 Perspektiven für
eine regionalen Gemüse- und Obstmarkt
Die Anbauregion REGIO Südlicher Oberrhein bietet gerade bei Obst-
und Gemüse interessante Möglichkeiten zur grenzübergreifenden
Sortimentsergänzung. Interessanterweise sind die Preisunterschiede
zwischen der EU und der Schweiz nicht allzu gross.
Vor allem im Zusammenhang mit einem Tagestourismus dürfte das Absatzpotential
für Obst ausbaufähig sein. Auch Spezialitäten, z.B. Basler
Kirsch und andere spezielle Schnäpse, könnten sicher gut abgesetzt
werden.
Bis es zu einer liberaleren Einfuhrpolitik aus dem EU-Raum in die Schweiz
kommt, müsste die Initiative vor allem von den direktvermarktenden
Betrieben in der REGIO ausgehen. Durch eine Sortimentserweiterung mit
Produkten aus den anderen Teilregionen liesse sich das Angebot an regionalen
Produkten attraktiver gestalten.
1.4.4 Perspektiven für
einen regionalen Brotgetreidemarkt
Beim gegenwärtig geringen Selbstversorgungsgrad mit Getreide in der
Region liegen die Erfolgsaussichten, mit einer regional ausgerichteten
Marketingstrategie und intensiver Kommunikation REGIO-Brot erfolgreich
zu verkaufen, relativ hoch. Vor allem die noch vergleichsweise kleinräumig
regionalen Produkt-, Verarbeitungs-, und Vermarktungsketten vom Landwirt
bis zum Verbraucher bieten hier günstige Voraussetzungen für
einen regionalen Produktions- und Verbrauchskreislauf. Nach Angaben des
Verkaufspersonals vieler Bäckerfilialen besitzt regional erzeugtes
Brot ein gutes Image bei den Verbrauchern. Wichtig ist die Suche nach
Möglichkeiten einer direkten Zusammenarbeit zwischen Erzeugergruppen
und interessierten Bäckern und Müllereibetrieben.
1.4.5 Perspektiven für
einen regionalen Milchmarkt
Aufgrund des Interesses an regionalen Milchprodukten von Handel und Konsumenten
ergeben sich durchaus Chancen für die regionale Landwirtschaft mit
einer geeigneten Strategie Märkte für lokale Produkte zu erschliessen.
Das angebotene Produkt muss neben der Regionalität aber auch noch
einen weiteren Zusatznutzen, wie besondere Umweltverträglichkeit
und besondere Geschmacksqualität, aufweisen. Bei einer Kooperation
mit den Supermärkten ist auf eine ausreichende Angebotsmenge des
Produktes zu achten. Kleinräumig zeigen sich auch gute Chance für
einzelne direktvermarktende Landwirte mit unmittelbarer Marktnähe
oder die Zusammenarbeit mit kleineren Verarbeitungsbetrieben.
1.4.6 Perspektiven für
einen regionalen Fleischmarkt
Der regionalen Fleischerzeugung und -vermarktung im Untersuchungsgebiet
werden gute Perspektiven für die Zukunft eingeräumt, wenn sie
dem Anspruch an extensive und qualitativ hohe Produktionsstandards entspricht.
Durch die starke Präferenz der abnehmenden Hand nach regionaler Ware
können Erzeugerpreise deutlich über Interventionspreisniveau
erzielt werden. Vor allem im Bereich der extensiven Schweinehaltung werden
von den meisten Marktakteuren mit Endverbraucherkontakt bei der derzeit
minimalen regionalen Selbstversorgung Marktentwicklungschancen gesehen.
Eine intensivere Zusammenarbeit zwischen LandwirtInnen und dem Metzgereigewerbe
ist ebenso möglich wie eine direkte Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel.
1.4.7 Perspektiven für
einen regionalen Biomarkt
Bedingt durch die Umstellungsförderung haben in der Vergangenheit
v.a. viele Futterbau- und Ackerbaubetriebe eine ökologische Bewirtschaftung
gewählt. Im Bereich Obst und Gemüse, wo der ökologische
Landbau produktionstechnisch anspruchsvoller und das finanzielle Risiko
einer Umstellung höher ist, gab es hingegen nur wenige Betriebsumstellungen.
So kann gegenwärtig das Angebot an regional erzeugtem Obst und Gemüse
in Sübaden und im Elsass der wachsenden Nachfrage kaum noch Schritt
halten. Eine stärkere produktionstechnische und sozioökonomische
Umstellungsberatung und -information konventioneller Betriebe würde
eine Angebotserweiterung eventuell stimulieren.
Bedingt durch die Tatsache, dass sowohl auf staatlicher Ebene als auch
auf Labelstufe die Anforderungen für den biologischen/ökologischen
Landbau in den drei Regionen vergleichbar sind, bestehen gute Voraussetzungen
zu einem Ausbau der regionalen und auch grenzüberschreitenden Vermarktung.
Bioprodukte, die bereits in grösseren Mengen in der Region angeboten
werden, wie Milch, Obst und Gemüse, würden sich am besten eignen.
In einem ersten Schritt könnten v.a. im Frischebereich die regionalen
Überangebote (Frischgemüse in Südbaden, Kirschen in der
Nordwestschweiz) und die regionale Unterversorgung (Milch und Spargel
in der Nordwestschweiz) grenzübergreifend ausgeglichen werden. Daneben
könnten mit vermehrter Kommunikation auch regionale Spezialitäten
in Bioqualität in der REGIO vermarktet werden (Biozwetschgen aus
Südbaden, Biospargeln aus dem Elsass, etc.) Mit einer längerfristigen
Angleichung des Preisniveaus dürften auch vermehrt Biomilchspezialitäten
(z.B. Ziegenkäse oder Quark) in der REGIO z.B. über die Gastronomie
abgesetzt werden können. Wichtig für die Abnehmer ist allerdings
eine stärkere Zusammenarbeit unter den Bauern selber, um eine Angebotsbündelung
zu erlauben.
1.4.8 Perspektiven für
einen regionalen IP-Markt
Die Möglichkeiten, IP-Produkte speziell zu vermarkten, wenn IP zum
allgemeinen Standard wird, dürfte schwierig sein. Für einzelne
Produktgruppen wie für Brot, Obst und Gemüse könnte sich
bis dahin ein kleiner Markt auftun. Die bereits erfolgte Angebotsbündelung
durch Erzeugergemeinschaften könnte dies erleichtern. International
ist eine Angleichung der Richtlinien zur gegenseitigen Anerkennung anzustreben,
um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
1.5 Schlussfolgerung
Die elsässischen, nordwestschweizerischen und südbadischen Teilregionen
der REGIO Südlicher Oberrhein besitzen nicht nur ähnliche naturräumliche
Voraussetzungen, sondern in Zukunft auch immer mehr angleichende Rahmenbedingungen
im Mikro- und Makroumfeld der landwirtschaftlichen Erzeugung und Vermarktung.
Alle drei Regionen stehen vor grossen Herausforderungen bezüglich
der weltweiten Angleichung der Rahmenbedingungen für die Vermarktung
und der agrarpolitischen Systeme. Im Prozess weltweiter Strukturvergrösserungen
und Konkurrenzsituationen zwischen Regionen, bietet sich für alle
drei Regionen aufgrund begrenzter Wachstums- und Strukturanpassungsmöglichkeiten
einen alternativen Weg der regionalen Markterschliessung und -verteidigung
an.
Aufgrund der landschaftlichen Attraktivität des Untersuchungsgebiets
sowie dem Vorhandensein von vergleichsweise ökologisch sensiblen
Verbrauchern mit regionaler Verwurzelung scheinen günstige Voraussetzungen
für ein Marketing regionaler und umweltgerecht erzeugter Produkte
gegeben zu sein (ÖKO-REGIO).
Die Marktanalyse zeigt zwar, dass die Bedingungen für eine regionale
Marktausrichtung durch die weniger werdenden regionalen Verarbeitungs-
und Handelsstrukturen auf allen Produktmärkten immer schwieriger
werden, doch mit zunehmenden Konzentrationserscheinungen der abnehemenden
Hand auch neue Nischen für kleinere Verarbeiter und Vermarkter entstehen.
Trends aus den untersuchten Regionen, die dies belegen sind z.B. die:
Tendenz der Globalisierung und Zentralisierung
der Einzelhandelsunternehmen versus der Tendenz der erfolgreichen Profilierung
selbständiger Einzelhändler
Tendenz der zunehmend zentralen ausserregionalen
Milch- und Fleischverarbeitung versus der Tendenz der Bildung kleiner
Milchverarbeitungs-, Schlachtungs- und Vermarktungskooperativen
Tendenz der Übernahme der Kantinenbewirtschaftung
durch zentral gesteuerte Cateringunternehmen versus der Tendenz der
Profilierung kleiner Kantinen durch eine regional und/oder ökologisch
ausgerichtete Küche
Tendenz der Zentralisierung und Filialisierung
von Backwaren- und Fleischverarbeitern versus der Tendenz einer kundenorientierte
Ausrichtung kleiner Bäckereien und Metzgereien mit einem regionalen
und/oder ökologischen Angebot
Tendenz der zunehmenden Bedeutung der Lebensmitteleinkaufs
der VerbraucherInnen in grossen Verkaufsflächen des Lebensmitteleinzelhandels
versus der Tendenz der zunehmenden Bedeutung der Wochenmärkte und
Hofläden für den Einkauf regionaler Frischeprodukte.
Die Vergangenheit zeigt, dass gerade kleinere Betriebsgrössen
in Verarbeitung und Handel häufig in der Lage sind, die fehlenden
Kostendegressionseffekte durch eine grössere Flexibilität und
Kundennähe zu kompensieren und Knappheitssituationen des regionalen
Angebots als Stärke im Marketing umzusetzen.
Der erfolgreichste Pfad der regionalen Markterschliessung scheint die
Suche nach Kooperationen mit gleichgerichtet motivierten Marktpartnern
im horizontalen wie auch im vertikalen Bereich zu sein. So können
Stoffströme möglichst geschlossen gehalten und die Erzeugung
von Nahrungsmitteln für VerbraucherInnen nachvollziehbarer und besser
rückverfolgbar gemacht werden. Durch die so entstehende Transparenz
gewinnt der Verbraucher Vertrauen gegenüber dem Produkt und seinem
Anbieter. Es darf nicht unterschätzt werden, dass der Faktor Vertrauen
und Zufriedenheit mit der zunehmenden Unübersichtlichkeit des Marktes
immer stärker über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens
entscheiden wird. Dementsprechend wichtig ist letzendlich besonders die
Kommunikation über Inhalte, Abgrenzungen und Zusatznutzen spezieller
Marktaktivitäten umweltgerecht erzeugter Produkte aus der Region.
Die grenzübergreifende REGIO Südlicher Oberrhein wird künftig
noch mehr Absatzmöglichkeiten für besonders unternehmerisch
ausgerichtete und mutige Landwirte bieten. So zeigen die Autoren Ansätze
dafür, dass bei einem entsprechenden Willen von Politik und Verbänden,
aufgrund der Gemeinsamkeiten und den bereits bestehenden intensiven grenzüberschreitenden
Kontakten einzelner Marktakteure, künftig die REGIO Südlicher
Oberrhein als Handelsraum für regional erzeugte Nahrungsmittel aus
ökologischer und integrierter Erzeugung noch stärker zusammenwachsen
kann.