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Abschlussbericht zum ITADA-Projekt A1.3
(Kurzfassung)
Wechselwirkungen zwischen Stickstoff und Beregnung bei
Mais: Optimierung und Begrenzung der Risiken
Projektleiter:
D. Lasserre (ITCF Colmar) F
F. Juncker-Schwing (AGPM Colmar) F
Projektpartner:
F.J. Kansy (IfUL Müllheim) D
Mitbeteiligte:
Amt für Landwirtschaft, Landschafts- und Bodenkultur Freiburg
Freiburger Elektrizitäts- und Wasserversorgung AG (FEW)
Lycée Agricole de Rouffach, ARAA, INRA F
Projektlaufzeit:
1996/97 - 1998/99
Problemstellung
Mais ist eine bedeutende Kultur in der Oberrheinebene,
die die Standortbedingungen dieser Region gut verwertet.
Wenn die Maisanbaufläche in den letzten 30 Jahren ständig gewachsen
ist, so liegt das aber auch am Ausbau der Beregnung. In der Tat hat diese
ursprünglich aus den Tropen stammende Pflanze einen hohen Wasserbedarf
im Sommer und das im Oberrheingraben reichlich vorhandene und leicht erschließbare
Grudwasser hat viel zu diesem Erfolg beigetragen.
Im Elsaß werden rund 50% der Maisfläche in der Ebene und 30%
der gesamten Maisfläche beregnet. Besonders bedeutsam ist sie in
der Hardt, auf kiesigen und durchlässigen Ablagerungen des Rheins,
die früher mit wenig fruchtbaren trockenen Wiesen bedeckt waren.
Die Beregnung ist ein wichtiges Instrument zur Ertragssteuerung.
Mit ihrem Ausbau ging eine Intensivierung, vor allem was die Stickstoffdüngung
anlangt, einher. Deshalb wird häufig unterstellt, daß sie die
Gefahr der Nitratauswaschung ins Grundwasser erhöht.
Sowohl im Elsaß als auch in Baden-Württemberg
ist der Schutz der Grundwasserqualtät vor Nitratbelastung mit einer
besseren Bemessung der Stickstoffdüngung und einer besseren Beregnungssteuerung
verknüpft. Letztere muß sich nach dem Bedarf der Kultur, dem
Witterungsverlauf und der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens richten.
Vor allem darf sie am Anfang, solange der Bedarf der Pflanzen gering ist,
nicht zu hoch sein.
Die Wechselwirkung zwischen Nährstoff- und Wasserversorgung ist stark
und spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab:
- Erhöhung des Ertragspotentials,
- Beeinflussung der Stickstoffmineralsierung im Boden (Rhythmus, Stärke),
- Gefahr erhöhter Auswaschung bei übermäßiger Beregnung.
Von daher ist es notwendig, die Aufwandmenge dieser beiden Produktionsfaktoren
zu optimieren und so gleichzeitig die Entwicklung der Erträge als
auch die der Nmin Gehalte im Boden zu kontrollieren.
Zielsetzung
Die im Elsaß und in Baden-Württemberg von
1996 bis 1998 angestellten Versuche hatten zum Ziel, verschiedene Kombinationen
von Stickstoff und Beregnungseinsatz zu vergleichen, um die Risikofaktoren
für die Umwelt abzuklären und den besten Kompromiss zu ermitteln,
bei dem das Einkommen des Landwirts gesichert ist.
- Das Vorhaben erlaubt:
Stickstoff- und Wasserbilanzen zu erstellen und diese den Produktionsdaten
(Ertrag, Ertragsbildung) gegenüberzustellen,
- Stickstoff-Ertragskurven für verschiedene
Beregnungsverfahren zu erstellen,
- die Entwicklung der Nitratgehalte im Boden zu verfolgen,
auch unter nachfolgender Zwischenfrucht und über den Winter,
- die Stickstoffnachlieferung des Bodens bei verschiedenen
Beregnungsverfahren festzustellen,
- den Umfang der Nitratauswaschung genauestens zu
berechnen, um die praktischen Auswirkungen der geprüften Verfahren
auf die Qualität des Sickerwassers zu erfahren.
Es geht dabei um die Kombination verschiedener Verfahren
der Beregnung und Stickstoffdüngung, um die besten Lösungen
auf technischer (Ertrag), wirtschaftlicher (Deckungsbeitrag, Anbausystem)
und ökologischer (Begrenzung der Nitratauswaschung) Ebene zu ermitteln.
Methodik
Untersuchte Verfahren in Rouffach (F):
4 Beregnungsverfahren:
I1: Beregnung während der ganzen Beregnungsperiode mit 3,5 mm/Tag
(= 25mm/Woche);
I2: Beregnung während der ganzen Beregnungsperiode mit 5 mm/Tag (=
35mm/Woche), d.h. zu viel für den Anfang und vielleicht auch später;
I3: Eingeschränkte Beregnung mit 2 mm /Tag (oder 14 mm/Woche);
I4: Ohne künstliche Beregnung (nur natürlicher Niederschlag).
6 Düngungsverfahren
F1: keine Stickstoffdüngung (Kontrolle)
F2: errechnete OGL-Düngung (X) - 100 kg N/ha (50 + X - 150 kg N/ha)
F3: errechnete OGL-Düngung (X) - 50 kg N/ha (50 + X - 100)
F4: errechnete OGL-Düngung (X) (50 + X - 50) (Ferti-Mieux Empfehlung)
F5: errechnete OGL-Düngung (X) + 50 kg N/ha ( 50 +X ) (Variante mit
Überschuß)
F6: errechnete OGL-Düngung (X) + 50 + kg N/Ha (100 +X - 50 kg N/ha).
Die Anlage ermöglicht 4 Wiederholungen bei jeder
Variante (Beregnung x Stickstoff). Da die verfügbare Technik nicht
alle Kombinationen zuließ, wurden nur 16 Kombinationen in einer
mehrfaktoriellen Blockanlage geprüft (s. nachstehende Übersicht):
| |
|
Null-N |
X - 100 |
X - 50 |
X |
X + 50 |
X + 50 + |
| Beregnung |
Düngung |
F1 |
F2 |
F3 |
F4 |
F5 |
F6 |
| 3,5 mm/d |
I 1 |
|
|
1 |
2 |
3 |
|
| 5 mm/d |
I 2 |
4 |
|
5 |
6 |
7 |
8 |
| 2 mm/d |
I 3 |
9 |
10 |
11 |
12 |
13 |
|
| 0 mm |
I 4 |
14 |
15 |
16 |
|
|
|
Die nach der vereinfachten Bilanz-Methode berechnete
OGL-Stickstoffdüngung (X) beträgt in Rouffach bei einem Ertragsziel
von 110 dt/ha Körnermais 170 kg N/ha.
Die Feldkapazität wurde in Rouffach auf 140 mm geschätzt, davon
80 mm leicht verfügbar. Beim Boden handelt es sich um einen leicht
kiesigen tonig-sandigen Lehm.
Untersuchte Verfahren in Hausen (D)
Die Versuchsanstellung von Hausen erlaubt die
Kombination von zwei Beregnungsverfahren mit drei Stickstoffdüngungsstufen.
Die 6 untersuchten Kombinationen zeigt die nachstehende Tabelle:
| |
0 |
T1 |
| ohne Beregnung |
X-20% |
T2 |
| |
X |
T3 |
| |
0 |
T4 |
| mit Beregnung |
X-20% |
T5 |
| |
X |
T6 |
Der Boden ist lehmig sandig und ohne Steine. Er
hat 2,8% organische Substanz, pH 5,3 und 180 mm Feldkapazität, davon
120 mm leicht verfügbar.
Ergebnisse
Charakterisierung der drei Versuchsjahre und Repräsentativität
im Vergleich zu langjährigem Mittel
Die Charakterisierung der Witterungsverhältnisse
erfolgte anhand der meteorologischen Daten von Rouffach. Die Ergebnisse
lassen sich jedoch auch auf Hausen übertragen, das von Rouffach nur
wenige Kilometer entfernt liegt.
Betrachtet man die Witterungsverhältnisse der Monate Juni, Juli und
August, indem man die Werte der mit einem kulturspezifischen Faktor k
multiplizierte Evapotranspiration minus den Niederschlägen (k*ETP-N)
kumuliert, so läßt sich erkennen, daß das Jahr 1996 typisch
für Jahre mit einem nassen Sommer (entsprechend dem 2. Dezil der
Jahre 1957-1998) ist, das Jahr 1997 nahe beim Median liegt und das Jahr
1998 zu den trockensten Jahren (8. Dezil) (mit 1962, 1976 und 1994) zählt.
Die Versuchsergebnisse wurden also in sehr unterschiedlichen Jahren gewonnen.
Auf die Ergebnisse des Jahres 1998 wird näher eingegangen, da dieses
Jahr sowohl von der Witterung her als auch was die Konsequenzen für
die Beregnungssteuerung angeht ein Extrem darstellt.
Bodenwassergehalte in Rouffach
Für die Ermittlung der Verlaufs der Wassergehalte
des Bodens bei den verschiedenen Beregnungsverfahren wurden zweierlei
Methoden eingesetzt:
- der Verlauf der Feldkapazität (tägliche Bilanz);
- die Messung mit Tensiometern.
Bei der zweiten Methode erlaubt die Unterscheidung
von drei Entwicklungsstadien in Verbindung mit Schwellenwerten, jenseits
derer die Pflanzen schlecht mit Wasser versorgt sind, die Feststellung
von Zeiträumen mit Wasser-(bzw. Trockenheits-)stress.
Jedes Jahr wurde separat mit den beiden Methoden analysiert. Nach Abschluß
läßt sich sagen, daß die Beregnungsverfahren 3,5 und
5 mm/Tag eine Pflanzenentwicklung ohne nennenswerten Stress ermöglichen,
während das Verfahren 2 mm/Tag in durchschnittlichen (1997) und mehr
noch in trockenen Jahren (1998) den Ertrag begrenzen kann. Von daher wird
angenommen, daß das Verfahren mit 3,5 mm/Tag Beregnung das optimale
ist.
1. Agronomische Ergebnisse
1.1 Kornertrag, Biomasseertrag und Stickstoffaufnahme
in Rouffach
Die drei Jahre verleiten nicht zu denselben
Schlussfolgerungen, was in Anbetracht der Witterungsverhältnisse
logisch erscheint: Im Jahr 1996 lag die optimale Stickstoffdüngung
bei 170 kg N/ha, unabhängig vom Beregnungsverfahren (2, 3,5 oder
5 mm/Tag) während sie 1997 bei 120 kg N/ha lag, sofern mindestens
3,5 mm/Tag beregnet wurden. Im trockensten Jahr 1998 gab es gute Ergebnisse
mit den Kombinationen 170 kg N/ha x 3,5 mm/Tag sowie bei 120 kg N/ha x
5 mm/Tag.

1.2 Kornerträge in Hausen
Für die drei Jahre 1995, 1996 und 1997
wurde durch Beregnung über alle Düngungsstufen hinweg ein Mehrertrag
von 11,2 dt/ha erzielt. Dies ist typisch für einen relativ tiefgründigen
Boden mit guter Feldkapazität, wo die Beregnung zwar einen Gewinn
bedeutet, für die Pflanzenentwicklung jedoch nicht entscheidend ist.
1.3 Nmin-Gehalte nach der Ernte in Rouffach
Die Analyse muß komplettiert werden durch
diejenige der Nitratgehalte des Bodens nach der Ernte, welche Zeugnis
ablegen von den Wechselwirkungen der Stickstoff x Wasser-Kombinationen
mit der Umwelt. Mittels einer Bilanzmethode 'Zufuhr - Abfuhr' wird ein
theoretischer Nmin-Wert geschätzt, den man dann mit dem tatsächlich,
Mitte September nach der Ernte, gemessenen vergleichen kann. Zunächst
stellt man fest, daß die Stickstofflieferung des Bodens unabhängig
ist von dessen Wassergehalt. Hingegen spielt die die Mineralisation begünstigende
Temperatur eine große Rolle. In den Jahren 1996 und 1997 liegen
die in den verschiedenen Bewässerungsvarianten gemessenen Nmin-Werte
bis zu einer Stickstoffgabe von 120 kg N/ha nahe beieinander. Ab 170 kg
N/ha kommt es bei 2 und 3,5 mm/Tag, ab 220 kg N/ha auch bei 5 mm/Tag,
zu einem deutlichen Anstieg der Nitratgehalte. In der unberegneten Variante
steigen die Nitratgehalte bereits ab einer Düngung von mehr als 50
kg N/ha an. Im Jahr 1998 verhält es sich mit den Nmin-Gehalten der
verschiedenen Varianten ähnlich wie in den beiden anderen Jahren.

- Als Schlußfolgerung aus den drei Versuchsjahren
läßt sich das Folgende formulieren:
Die unberegnete Variante weist nach der Ernte höhere Bodennitratgehalte
auf als die anderen, weil die Entwicklung der Pflanzen sowie deren Stickstoffaufnahme
gehemmt sind.
- Bis zu einer Stickstoffgabe von 120 kg N/ha,
die, wie festgestellt wurde den Ertrag begrenzt, gibt es keine größeren
Unterschiede zwischen den drei beregneten Varianten.
- Bei einer Stickstoffdüngung in Höhe
von 170 kg N/ha gibt es eine Abstufung der Werte mit den niedrigsten
Werten bei einer Beregnung von 5 mm/Tag. Man kann vermuten, daß
hier eine frühzeitige Auswaschung in gelegentlichen Perioden mit
Wassersättigung stattgefunden hat.
- Eine Überdüngung mit 220 kg N/ha
führt in allen drei Varianten zu erhöhten Nitratwerten.
1.4 Interaktion Stickstoff - Wasser während
den drei Jahren in Rouffach
- Die Beziehung zwischen Stickstoffdüngung
und Stickstoffaufnahme durch die Pflanzen erlaubt die Ermittlung des
'offensichtlichen Koeffizienten der Stickstoffausnutzung' (CAU). Auch
auf die Stickstoffaufnahme durch die Pflanzen wirkt sich der Witterungsverlauf
aus:
1996 liegt der CAU zwischen 70 und 85%, unabhängig vom Beregnungsregime.
- 1997 gibt es zwei unterschiedliche Niveaus
des CAU: 90% des Düngerstickstoffs werden genutzt bei Beregnung
und nur 60% ohne Beregnung.
- 1998 werden ohne Beregnung nur 20% genutzt.
Bei 2 mm/Tag sind es 75% und bei 5 mm/Tag gar 95%.

Die Untersuchung der Beziehungen 'Ertrag (Korn
oder Ganzpflanze) x Stickstoffaufnahme' gibt Auskunft über die Stickstoffeffizienz.
In den Jahren 1996 und 1997 ist keine Auswirkung der Beregnung auf die
Stickstoffeffizienz erkennbar. 1998 zeigt sich hingegen ein deutlicher
Effekt: Bei Stickstoffaufnahmen jenseits von 150 kg N/ha steigert eine
Beregnung die Stickstoffeffizienz. Der Düngerstickstoff wird besser
verwertet, wenn es nicht zu Wassermangel kommt.

Ähnliche Beziehungen lassen sich beim Ganzpflanzenertrag,
beim Tausendkorngewicht und der Anzahl Körner/m2 feststellen.
Schlussfolgerungen bezüglich der agronomischen Ergebnisse
Die Kombination von 3,5 mm/Tag Beregnung mit 170 kg
N/ha Stickstoffdüngung hat sich bezüglich der agronomischen
Ergebnisse in drei klimatisch sehr unterschiedlichen Jahren als optimal
erwiesen.
Die Stickstoffdüngungsempfehlung von Ferti-Mieux (OGL-Düngung
(X) = 170 kg N/ha an diesem Standort) wurde durch diese Versuche bestätigt.
Eine Beregnung mit 3,5 mm/Tag bzw. 25 mm/Woche ist bei diesem Typ von
Boden ausreichend.
2. Die Auswaschung
Die mit verschiedenen Kombinationen von Stickstoffdüngung
und Beregnung verbundenen Auswaschungsgefahren wurden gemessen:
- Im Sommer unter der Vegetation (nur in Rouffach).
- Im Winter, wo die Auswaschungsgefahr normalerweise ansteigt, bei unbedecktem
Boden und gleichzeitig überschüssiger Wasserbilanz (Niederschläge
übersteigen Evapotranspiration), so daß es zur Sickerwasserbildung
kommt (Rouffach und Hausen).
In beiden Situationen wurde die Menge an ausgewaschenem
Nitrat mit Hilfe eines Modells abgeschätzt.
2.1 Schätzung der Auswaschungsmenge über den Sommer
Verwendetes Modell:
Das Prinzip des Modells ist es, aufgrund von meteorologischen Daten täglich
den Wasservorrat des Bodens zu berechnen und die Werte mit denjenigen
aus mit Hilfe von Bohrstöcken gewonnenen Feuchteprofilen zu vergleichen.
Der zeitabschnittsweise Vergleich der beiden Werte erlaubt die Menge des
Dränwassers zu bestimmen.
Mit Hilfe der porösen Saugkerzen 'Tensionic', welche in 80 cm Tiefe
eingebaut sind und eine Nitratkonzentration zu messen erlauben, kann dann
die Menge des ausgewaschenen Stickstoffs geschätzt werden.
Ausgewaschene Stickstoffmenge (kg NO3-N/ha)
in Abhängigkeit von Beregnung und Stickstoffdüngung:
| |
2 mm/d x 120 kg N/ha |
3,5 mm/d x 170 kg N/ha |
5 mm/d x 220 kg N/ha |
| 1996 |
8,1 |
4,1 |
11,9 |
| 1997 |
0 |
2,2 |
3,7 |
| 1998 |
0,8 |
0 |
10,1 |
Die Messperioden in den drei Jahren sind nicht identisch
und können deshalb nicht miteinander verglichen werden.
Die Auswaschungsmengen sind gering. Die höchsten Werte treten dabei
bei den Varianten mit zu hoher Düngung bzw. zu starker Beregnung
auf. Die Differenz zu den anderen Varianten ist aber sehr gering, mit
Ausnahme des Jahres 1998.
Schlußfolgerung
Die Auswaschung während des Sommers ist ein Phänomen von geringer
Intensität. Das Wasser und der Stickstoff werden vom Mais, der diese
für sein Wachstum und seine Entwicklung braucht, aufgenommen.
2.2 Schätzung der Auswaschungsmengen während
des Winters
Das Lixim-Modell
Es gestattet die Simulation der Auswaschung über Winter, ausgehend
von am Standort gemessenen Daten. Für die korrekte Eichung des Modells
bedarf es einer ausreichend großen Anzahl von Messwerten. In Rouffach
war das nur im Winter 1997/98 der Fall. Das Problem war, daß die
über Winter im Boden verbliebenen Saugkerzen meistens nicht funktioniert
haben, wofür es keine Erklärung gibt.
Für Hausen konnte die Eichung und Anwendung des Modells zur vollen
Zufriedenheit erfolgen.
Die Ergebnisse von Rouffach:
Die Überschreitung der berechneten OGL-Düngung
geht immer mit einer Erhöhung der Nitratauswaschung einher. Außerdem
erhöht eine übertriebene Bewässerung die Auswaschung über
Winter.
Die Ergebnisse von Hausen:
Die große Anzahl von durchgeführten
Messungen und verfügbaren Daten in Hausen gestatten die Anwendung
des Lixim-Modells für alle drei Versuchsjahre. Um einen Vergleich
mit der französischen Seite zu haben, zeigen wir nachstehend die
Ergebnisse von 1997/98.

Außer bei T2 (SchALVO x unberegnet) im Jahr
1995/96 ist die Reihenfolge der Varianten identisch. Es ist zu unterstreichen,
daß während dreier Winter die ausgewaschenen Stickstoffmengen
sehr gering sind und diese immer unter 15 kg/ha liegen.
Während sich zu Winterbeginn zwischen den Varianten kaum Unterschiede
zeigen, nimmt der Abstand ab Januar zu, um im April sein Maximum zu erreichen.
Es scheint, daß die ausgewaschenen Mengen in gedüngten Parzellen
ohne Beregnung größer sind: der im Boden vorhandene Nitratstickstoff
ist für den Mais nicht verfügbar.
Bei beregneten Varianten begünstigt das Beregnungswasser die Aufnahme
des mineralisierten Stickstoffs durch den Bestand. Deshalb sind die Nitratgehalte
im Boden nach der Ernte hier niedriger und die Gefahr der Nitratauswaschung
ist vermindert.
Auf den ungedüngten Parzellen sind die Verluste am geringsten. Zwischen
beregnet und unberegnet gibt es keine signifikanten Unterschiede.
Schlussfolgerung bezüglich der Auswaschung
Während in Rouffach die Menge an ausgewaschenem
Stickstoff bei übermäßiger Düngung und übermäßiger
Beregnung bis auf 100 kg/ha steigen kann, bleibt sie in Baden-Württemberg,
unabhängig vom Verfahren, immer auf niedrigem Niveau unter 15 kg/ha.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß sowohl die Beregnung
als auch die Düngung in Hausen immer wohl dosiert erfolgten und es
keine Varianten mit Überdüngung bzw. Überberegnung gab.
Insofern kann man Hausen diesbezüglich nicht mit Rouffach vergleichen.
Unter 'vernünftigen' Bewirtschaftungsbedingungen belaufen sich die
ausgewaschenen Stickstoffmengen auf französischer Seite auf 30 -
40 kg N/ha.
Die größte Gefahr besteht:
- einerseits bei gedüngten aber nicht beregneten
Parzellen, auf denen der Stickstoff, insbesondere in trockenen Jahren
nicht von der Pflanze aufgenommen werden kann,
- andererseits bei überzogener Düngung,
die den Pflanzenbedarf übersteigt und bei Kombinationen von überzogener
Düngung und übermäßiger Beregnung.
2.3 Abschätzung der Nitratkonzentrationen im Sickerwasser während
des Winters
Die Ergebnisse von Rouffach
Die mit dem LIXIM-Modell simulierten Nitratkonzentrationen
in Rouffach liegen über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von
50 mg/l sobald die Stickstoffdüngung über 120 kg N/ha (was 1997
dem Optimum entsprach) hinausgeht. Bis zu einer Stickstoffdüngung
von 170 kg N/ha scheint die Beregnungsintensität keinen Einfluß
zu haben. Darüber steigen die Nitratkonzentrationen des Sickerwassers
jedoch mit zunehmender Beregnungsstärke.
Bei der ausgewaschenen Menge ist die Tendenz gleich: Die überhöhten
Varianten produzieren ein Sickerwasser mit 150, ja sogar mit 250 mg N/l
Nitrat. Dabei spielt der Faktor Stickstoffdüngung die größte
Rolle, zumindest wenn man die Ergebnisse 1997/98 betrachtet.
Die Variante 170 kg N/ha x 3,5 mm/d, die einer gängigen Praxis bei
den Beregnungslandwirten in der Ebene entspricht, wirft aus Sicht der
Ökologie dennoch Fragen auf, da sie dem Modell nach ein stark nitratbelastetes
(140 mg/l) Sickerwasser produziert. Derartige Konzentrationen sind für
die Wasserwirtschaft natürlich nicht akzeptabel. Es muß jedoch
darauf hingewiesen werden, daß dieses Ergebnis aus einer Modellrechnung
für den Zeitraum 10/97 bis 02/98 stammt, die auf unzureichendem Datenmaterial
beruht, so daß eine unumstößliche Aussage nicht möglich
ist. Die Frage nach der Sickerwasserqualität unter einem beregneten
Maisacker bleibt also offen. Die Messungen sollten deshalb über mehrere
Jahre auf eine Weise fortgesetzt werde, die eine präzise Beantwortung
dieser Frage gestattet.
Die Ergebnisse von Hausen:
Die in Hausen in den 3 Wintern gemessenen Nitratkonzentrationen
übersteigen nie die Nitratkonzentration von 40 mg N/l. Wie bereits
beim Kapitel Auswaschung gezeigt, gab es in diesem Versuch keine überhöhten
Varianten.
Der Verlauf der Konzentrationskurven folgt in etwa denen der Stickstoffauswaschung
und wie die nachstehende Abbildung zeigt, treten bei den unberegneten
Varianten höhere Konzentrationen auf als bei den anderen. Die Rangfolge
der Varianten ist übrigens in allen 3 Messkampagnen dieselbe. Die
größten Unterschiede traten im Winter 1997/98 auf. In diesem
Winter besteht die Möglichkeit zum Vergleich mit den französischen
Ergebnissen.
Nitratgehalte im Sickerwasser - Hausen - Winter
1997/98:

Schlußfolgerungen bezüglich der Nitratkonzentrationen
über Winter
Die Höhe der Stickstoffdüngung scheint für
das Risiko der Nitratauswaschung über Winter entscheidender zu sein
als die Intensität der Beregnung.
Nach Verrechnung der Daten von Hausen mit dem Modell LIXIM, begünstigen
die während der Vegetationszeit unberegneten Varianten Nitratauswaschungsverluste
und liefern insgesamt ein nitratreicheres Sickerwasser als diejenigen
Varianten, die das für die Kultur erforderliche Wasser erhalten.
Während ihrer Entwicklung nehmen die Pflanzen soviel Nitrat wie möglich
aus der Bodenlösung auf. Die Ergebnisse zeigen während zwei
klimatisch unterschiedlichen Jahren, 1996/97 und 1997/98 in dieselbe Richtung,
sind jedoch 1997/98 deutlicher.
In Rouffach lässt sich mit demselben Modell zeigen, daß, sobald
das Niveau der ordnungsgemässen Düngung überschritten wird,
auch die Beregnungsmenge eine Rolle spielt. Dieses Ergebnis ist jedoch
mit Vorsicht zu geniessen, weil das LIXIM-Modell in Rouffach nur für
ein Jahr und mit einer begrenzten Anzahl von Werten gerechnet werden konnte
und die Ergebnisse folglich methodisch angreifbar sind.
Wirtschaftlichkeit der Beregnung in Rouffach und
in Hausen
Für die beiden Standorte, die sich durch einen
Boden mit relativ hoher nutzbarer Feldkapazität auszeichnen, kann
eine schnelle und grobe Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgenommen werden:
In den drei Versuchsjahren, die sich klimatisch deutlich
unterschieden, lag der mittlere Ertragszuwachs durch Beregnung bei 27,4
dt/ha in Rouffach und bei 11,2 dt/ha in Hausen.
Unterstellt man einen durchschnittlichen Maispreis von 70 FF (21 DM)/dt
und berücksichtigt man die im Durchschnitt der Jahre 1996 bis 1998
um 479 FF (143 DM)/ha höhere Anbauprämie auf Beregnungsflächen
(nur in Frankreich), so erhält man einen um 2397 FF (719 DM)/ha in
Rouffach bzw. 784 FF (235 DM)/ha in Hausen höheren Geldertrag.
Von diesem Mehrertrag sind die Kosten der Beregnung abzuziehen. Diese
sind natürlich nicht überall gleich. Im Durchschnitt der Kleinregion
Hardt beliefen sie sich nach den betriebswirtschaftlichen Auswertungen
des CER 68 für das Jahr 1998 auf 1350 FF (405 DM)/ha.
Ausgehend von diesen Werten bleiben dem Beregnungslandwirt
in Rouffach: 2397 - 1350 = + 1047 FF (+ 314 DM)/ha
in Hausen: 784 - 1350 = - 566 FF (- 170 DM)/ha.
Die Kosten sind wahrscheinlich für Situationen
mit hoher nutzbarer Feldkapazität überschätzt. Dies gilt
insbesondere für Hausen. Doch auch wenn man die Beregnungskosten
in diesen Fällen auf 1000 FF (300 DM)/ha reduziert, ist die Wirtschaftlichkeit
in Hausen immer noch nicht gegeben. Hinzu kommt außerdem, daß
der zusätzliche Deckungsbeitrag auch noch die Arbeitskosten der Beregnung
(Aufbau/Umsetzen der Anlagen) decken muß. Deren Höhe ist schwer
zu schätzen. Sie sind jedoch in Anbetracht der manchmal mühseligen
Arbeit nicht zu vernachlässigen. Hinzu kommen weiterhin zusätzliche
Steuer- und Sozialabgaben, die mit zunehmendem Mehrertrag ansteigen. Von
daher stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit auch in Rouffach.
Die nachstehend aufgeführten Durchschnittswerte
sollen lediglich einen Anhaltspunkt geben. Die jahrweise Auswertung von
zwei, was die Niederschläge angeht sehr unterschiedlichen Jahren
wie 1996 (naß) und 1998 (trocken) gestattet eine bessere Beurteilung
der Wirtschaftlichkeit:
| Jahr |
Mehrertrag d. Beregnung (Variante 120 N x 3,5
mm) |
Prämienerhöhung d. Beregnung |
Mehrerlös |
Deckungsbeitrags-differenz |
| 1996 |
13,4 dt/ha |
391 FF/ha |
1329 FF/ha |
329 F (99 DM)/ha |
| 1998 |
49,8 dt/ha |
562 FF/ha |
4048 FF/ha |
2698 F (809 DM)/ha |
Für das Jahr 1996 wurden die Kosten der Beregnung
von 1350 auf 1000 FF/ha ermäßigt.
Diese Berechnung auf Grundlage der Daten von Rouffach
zeigt sehr schön die Wirtschaftlichkeitsunterschiede einer Beregnung
in Jahren mit unterschiedlichen Sommerniederschlägen. In feuchten
Jahren lohnt sich die Beregnung auf diesem Standort kaum oder gar nicht,
in trockenen Jahren dagegen ganz klar.
Die Landwirte, die bei diesen recht tiefgründigen Böden eine
Beregnung anschaffen, legen Wert auf Ertragssicherheit und sind der Ansicht,
daß sie mehr verlieren, wenn sie in einem trockenen Jahr nicht beregnen,
als wenn sie in einem nassen Jahr umsonst beregnen.
Allgemeine Schlußfolgerung
Für die Ertragsbildung und um dem Landwirt
ein Einkommen zu verschaffen braucht der Mais Stickstoff und Wasser. Diese
beiden Produktionsfaktoren sind eng miteinander verknüpft. Ohne Stickstoff
wird der Ertrag stark beeinträchtigt. Ohne Wasser nutzt der im Boden
befindliche Stickstoff aus Düngung und Mineralisierung dem Mais wenig
und die Gefahr der Auswaschung von Nitratresten über Winter verschärft
sich.
Andererseits ist eine Düngung, die den Bedarf der Kultur weit übersteigt,
teilweise auch verloren, weil der überschüssige Stickstoff das
Ertragsniveau des Maises nicht über ein Optimum hinaus anzuheben
vermag. Dabei kommt es zu wirtschaftlichen Verlusten, aber auch zu einer
Gefahr für die Umwelt, weil der nicht verbrauchte Stickstoff ins
Grundwasser ausgewaschen wird.
Wird ein Maisbestand entsprechend seinem Bedarf gedüngt, so führt
Wassermangel infolge unzureichender Beregnung zu einer erhöhten Gefahr
der winterlichen Auswaschung, wie es die LIXIM-Ergebnisse für Hausen
zeigen. In Rouffach werfen die, methodisch angreifbaren, LIXIM-Ergebnisse
nichtsdestotrotz die Frage nach der Qualität des Sickerwassers auf,
welches sich im Winter unter einem Maisfeld mit Beregnung bildet. Vernünftigerweise
kann man jedoch annehmen, daß bei einer dem Kulturbedarf angepassten
Stickstoffdüngung und einer Beregnung, die richtig gesteuert wird,
ein ökonomisches und ökologisches Optimum erreicht wird. Dieses
bedarf jedoch noch einer näheren Präzisierung.
In der Rheinebene werden jedoch nicht alle Maisbestände bezüglich
dieser beiden Produktionsfaktoren Stickstoff und Wasser so gezielt behandelt.
Die Minimallösung würde zweifelsohne darin bestehen, die bereits
in Form von Ferti-Mieux-Aktionen und Beregnungshinweisen bestehende Beratung
zu verstärken, wahrscheinlich aber auch in einer besseren Ausstattung
der Landwirte mit Steuerungsinstrumenten oder in einer Anpassung des Beregnungsmaterials.
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